Fühlst du dich in deinen Verbindungen wirklich wohl? Was spiegeln dir die Beziehungen, die du führst? Zeigen sie dir, dass du klar hinter deinen Werten stehst, oder dass du manchmal das eine sagst und das andere tust? Unsere Beziehungen zeigen uns immer, wie viel Klarheit, Unsicherheit und Integrität in uns lebt. Und sie zeigen uns vor allem die Beziehung, die wir zu uns selbst führen. Sie ist der Nährboden für jede Verbindung, die wir eingehen.
Dieser Neumond fordert dich auf, zu definieren, was in deinen Beziehungen künftig ein klares Ja bekommt und wo ein ebenso klares Nein nötig ist. Eine Grenze, ein „Das möchte ich nicht mehr.“ Und dann darfst du dir die entscheidende Frage stellen: Was kann ich an meinem eigenen Verhalten verändern, damit sich das, was ich nicht mehr möchte, nicht länger in meinen Verbindungen formt?
Wenn die Herrscherin zurückblickt
Venus herrscht über die Waage und steht deshalb bei diesem Neumond im Scheinwerferlicht. Doch sie ist seit dem 3. Oktober rückläufig, und zwar bis zum 14. November. Anders als Merkur wird Venus nur etwa alle eineinhalb Jahre rückläufig. Da sie mit dem gesamten Beziehungsfeld verknüpft ist, befinden wir uns nun in einer echten Revision: unserer Verbindungen, unserer Werte und all dessen, was für uns nicht verhandelbar ist.
Darin liegt ein Paradoxon. Der Neumond richtet unseren Blick nach vorn, seine Herrscherin schaut zurück. Die Zukunft öffnet sich, und gleichzeitig rückt uns die Vergangenheit ganz nah. Das muss jedoch nicht bedeuten, dass sich der oder die Ex meldet. Die Vergangenheit kann auch leise anklopfen: durch einen Brief, den du findest, ein Lied, einen Ort oder einen Geruch, der dich Jahre zurückversetzt. Durch alte Gefühle, alte Dynamiken und Glaubenssätze, die nach wie vor in dir wirken.
Venus im Skorpion geht dabei bis auf den Grund. Sie legt offen, was aus der Vergangenheit heute noch Nähe, Vertrauen und Hingabe herunterreguliert: Schutzmechanismen, die zwischen dir und einer aufrichtigen Herzöffnung stehen. Vielleicht hast du in entscheidenden Momenten einen Rückzieher gemacht. Vielleicht hast du geschwiegen, obwohl ein einziger Satz Klarheit gebracht hätte. Oder du hast keine Grenze gesetzt, aus Angst, den anderen zu verlieren.
Erst weil das Potenzial der Zukunft gerade so greifbar ist, kannst du erkennen, wie sehr dich die Vergangenheit bisher zurückgehalten hat. Und erst dann kannst du sagen: Es endet jetzt und hier.
Wichtig ist dabei: Da Venus rückläufig ist, muss nicht zwingend ein neuer Mensch in dein Leben treten. Wahrscheinlicher ist, dass sich mit jemandem etwas vertieft, der bereits in deinem Feld ist. Denn wenn so viel Altes abfällt, können auch bestehende Verbindungen eine völlig neue Tiefe erreichen.
Der Neubeginn liegt nicht immer im Neuen. Manchmal liegt er im Alten, dem du mit neuen Augen begegnest.
Die Vergangenheit will verstanden werden
Am 7. Oktober, drei Tage vor dem Neumond, bilden Merkur und Venus eine Konjunktion im Skorpion. Die Vergangenheit möchte nun nicht einfach erinnert, sondern verstanden werden. Vielleicht erkennst du plötzlich, warum dich ein bestimmter Mensch so tief berührt hat, warum du so lange an einer Verbindung festgehalten hast oder warum du glaubtest, etwas zu brauchen, das dir nicht gutgetan hat. Vieles, worauf du dir lange eine Antwort gewünscht hast, bekommt jetzt Kontext.
Dabei geht es nicht um Wehmut, sondern um Erkenntnis. Weil du gereift bist und heute mit einem anderen Bewusstsein auf deine Geschichte blickst, kann dieselbe Erinnerung eine völlig neue Bedeutung bekommen.
Auch Menschen aus der Vergangenheit können jetzt zurückkehren, und klärende Gespräche werden möglich. Doch sie kommen meist nicht zurück, weil ihr eine gemeinsame Zukunft habt, sondern weil noch etwas offen ist, das auf eine gesunde Art abgeschlossen werden möchte. Was jetzt zurückkehrt, möchte gesehen werden und nicht unbedingt Teil deiner Zukunft werden.
Überführe deine Erkenntnisse deshalb in Vergebung. Vergib den Menschen, die beteiligt waren. Und vergib vor allem deinem früheren Selbst. Denn oft glauben wir, wir seien wütend auf eine alte Geschichte oder auf einen anderen Menschen, während wir den größten Vorwurf in Wahrheit gegen uns selbst richten.
Dieser Vorwurf kann uns klein machen und dazu führen, dass auch in anderen Lebensbereichen nichts so recht gelingen will. Wer würde einem Menschen, dem er Vorwürfe macht, schon Leichtigkeit und Erfüllung wünschen?
Du wusstest es damals nicht besser.
Du konntest nicht anders handeln.
Und genau deshalb darfst du dir heute vergeben.
Auf eine alte Frage neu antworten
Rund um den Neumond lohnt es sich, dir typische Waage-Fragen zu stellen, die zum Beispiel lauten: Wie sieht eine Beziehung aus, die du führen möchtest? Wie möchtest du dich in ihr fühlen? Bedeutet Harmonie für dich, dich anzupassen, damit sich der andere wohlfühlt, oder hast du ein Gespür für eine Beziehung auf Augenhöhe? Welche Kompromisse stärken das Miteinander und welche entfernen euch voneinander?
Frage dich auch, wie du diese Fragen früher beantwortet hättest. Denn die Vergangenheit hat gerade eine Zukunftsfunktion. Wir erinnern uns nicht, um zurückzugehen oder Altes aufzuwärmen, sondern um zu lernen. Und durch das, was wir erkennen, wählen wir neu.
Déjà-vus sind in diesen Tagen besonders präsent. Vielleicht findest du dich in einer vertrauten Situation wieder, triffst auf einen alten Trigger oder eine bekannte Beziehungsdynamik. Und dann bemerkst du: Ich muss diesmal nicht so reagieren wie früher. Du sprichst etwas an, wo du früher geschwiegen hättest. Du setzt eine Grenze, wo du früher in die Anpassung gegangen wärst. Du lässt Nähe zu, wo du dich früher geschützt hättest. Oder du bleibst, wo du früher gegangen wärst.
Der Neuanfang zeigt sich also nicht nur darin, dass etwas Neues kommt, sondern darin, dass du dem Alten neu begegnest. Wenn du dich dabei ertappst, dann halte inne und feiere dich. Am besten mit einer Handvoll Konfetti, die du diese Woche griffbereit in der Jackentasche trägst. ;)
Warum Liebe Reibung braucht
Genau am Tag des Neumonds bilden Mars im Löwen und Venus im Skorpion ein Quadrat. Der Neuanfang in Liebesdingen entsteht also durch Reibungswärme. Es kann sein, dass man in diesen Tagen ein wenig aneinander gerät, weil es gerade wichtig ist, sich zusammenzuraufen.
Venus im Skorpion sehnt sich nach Tiefe, emotionaler Ehrlichkeit und echter Intimität. Mars im Löwen möchte sich selbst treu bleiben, seinem eigenen Begehren folgen und als eigenständiges Ich sichtbar sein. Diese beiden Pole erzeugen eine Spannung, die nicht aufgelöst, sondern gehalten werden möchte.
Schon beim letzten Waage-Neumond haben wir erkannt, dass Frieden nicht das Fehlen von Konflikt bedeutet. In diesem Jahr gehen wir einen Schritt weiter: Spannung muss uns nicht voneinander entfremden. Sie kann uns einander näherbringen, weil sie Wärme erzeugt. Ein echtes Wir entsteht nicht dadurch, dass zwei Menschen aufhören, eigenständig zu sein. Es entsteht dort, wo beide wollen, fühlen, wünschen und begehren dürfen und trotzdem immer wieder einen gemeinsamen Raum erschaffen.
Ein starkes Wir braucht keine aufgelösten Ichs. Es braucht zwei Menschen, die gemeinsam tief gehen und dabei sie selbst bleiben.
Sei deine eigene Autorität
Am 7. Oktober bildet Mars ein Sextil zu Uranus und ermutigt uns, neue Wege zu gehen und auf neue Art zu handeln. Das passt zu allem, was Venus rückläufig und der Neumond von uns fordern: Was du über dein bisheriges Handeln erkannt hast, darf jetzt in Taten übergehen. Wo passt die Art, wie du handelst, nicht mehr zu der Person, die du durch die Eclipse Season geworden bist?
Am 8. Oktober formt Neptun im Widder ein Quadrat zu Lilith im Steinbock. Neptun im Widder ermutigt uns schon seit Februar, unseren intuitiven Impulsen zu folgen, auch wenn wir das Ziel noch nicht greifen können. Lilith im Steinbock zeigt uns dagegen, wo wir noch auf Leistung, Erfolg und das Sich-Beweisen ausgerichtet sind. Wo spielst du noch nach Regeln, die dir beigebracht wurden oder die du dir irgendwann selbst auferlegt hast, obwohl dich etwas längst in eine andere Richtung zieht?
Vielleicht spürst du gerade deutlich, wie sehr du dich mit deinen eigenen Forderungen beschwerst. Und vielleicht entsteht daraus ein klarer Entschluss: Ich möchte nicht mehr so hart zu mir sein. Ich möchte mich nicht länger unter Druck setzen.
Ich bin meine eigene Autorität.
Ich führe mich selbst.
Und auch wenn es mir Angst macht, stehe ich voll und ganz hinter mir.